Zwischen Berglandschaft und Pinselkunst: Die Ausstellung „Bergblumen betrachten“ von Qian Junda im Linggu-Tempel in Nanjing

Traditionelle chinesische Malerei zwischen Natur, Geschichte und moderner Kunst

Fotograf 摄影师: Lu Jinhua 卢金华

Am 23. Juli 2026 wurde die Ausstellung „Bergblumen betrachten – Meisterwerke der chinesischen Malerei von Qian Junda“ (山里观花——钱俊达精品书画展) im historischen Linggu-Tempel (灵谷寺) in Nanjing eröffnet.

Mitten im Sommer, während die Hitze des „Großen Sommers“ (大暑, Dàshǔ) die Stadt erreicht, bietet der Linggu-Tempel mit seinen alten Bäumen, ruhigen Wegen und historischen Gebäuden einen besonderen Ort für eine Kunstausstellung.

Die Ausstellung verbindet traditionelle chinesische Malerei mit der natürlichen Atmosphäre der Berglandschaft von Nanjing. Besucher können nicht nur Kunstwerke betrachten, sondern eine Verbindung zwischen Natur, Geschichte und chinesischer Ästhetik erleben.

Die Ausstellung wird vom Nanjing Linggu-Kalligrafie- und Malereiinstitut sowie der Jiangsu National Asset Management Co., Ltd. gemeinsam organisiert und von der Nanjing Dachen Cultural Art Consulting Service Co., Ltd. durchgeführt. Sie ist noch bis zum 23. August 2026 geöffnet.


Der Linggu-Tempel: Ein historischer Ort für Kunst und Kultur

Der Linggu-Tempel befindet sich am südlichen Fuß des Zijin-Berges (紫金山) in Nanjing und gehört zu den bedeutenden historischen Kultstätten der Stadt.

Der Tempel entstand ursprünglich während der Zeit der Sechs Dynastien und entwickelte sich über viele Jahrhunderte hinweg zu einem wichtigen Ort der buddhistischen Kultur und des geistigen Austauschs.

In der chinesischen Tradition waren Tempel nicht nur religiöse Orte. Sie waren auch Treffpunkte für Gelehrte, Dichter, Kalligrafen und Maler.

Die Verbindung zwischen Kunst und Natur hat in China eine lange Geschichte. Viele Künstler suchten bewusst ruhige Landschaften auf, um Inspiration zu finden und ihre innere Verbindung zur Natur auszudrücken.

Daher entsteht im Linggu-Tempel eine besondere Atmosphäre:

Die alten Gebäude erzählen Geschichte, die umliegenden Wälder schaffen Ruhe, und die Gemälde bringen die Schönheit der Natur in den Ausstellungsraum.


Qian Junda: Ein moderner Künstler mit tiefen Wurzeln in der Tradition

Fotograf 摄影师: Lu Jinhua 卢金华

Qian Junda (钱俊达) gehört zu den bekannten Vertretern der akademischen chinesischen Malerei in Nanjing.

Seit vielen Jahren widmet er sich besonders der Gongbi-Malerei (工笔画), einer traditionellen chinesischen Maltechnik, die für ihre feinen Linien, präzisen Details und sorgfältige Farbgestaltung bekannt ist.

Gleichzeitig beschäftigt er sich intensiv mit chinesischer Kalligrafie und folgt dem traditionellen Prinzip:

„Kalligrafie und Malerei haben denselben Ursprung“ (书画同源).

In seinen Werken verbindet Qian Junda die technische Präzision der klassischen Hofmalerei aus der Song- und Yuan-Zeit mit der eleganten und zurückhaltenden Ästhetik der Gelehrtenmalerei aus späteren Dynastien.

Seine Kunst zeichnet sich aus durch:

  • fein ausgearbeitete Linienführung,
  • sanfte und harmonische Farbtöne,
  • genaue Beobachtung der Natur,
  • eine ruhige und poetische Bildsprache.

Die Ausstellung „Bergblumen betrachten“: Die Schönheit der Natur im Pinselstrich

der chinesische Maler中国画家: Qian Junda钱俊达

Das zentrale Thema der Ausstellung sind Blumen aus der Berglandschaft sowie Vögel aus der Natur.

Viele Werke von Qian Junda entstehen aus seinen langjährigen Beobachtungen der Landschaft rund um Nanjing. Der Künstler besucht regelmäßig Berge und Wälder, fertigt Skizzen an und sammelt Eindrücke aus der realen Natur.

Diese Arbeitsweise entspricht einer wichtigen Tradition der chinesischen Kunst:

Die Natur als Lehrer betrachten.

Für chinesische Künstler bedeutet Natur nicht nur eine äußere Landschaft. Pflanzen, Tiere und Landschaften tragen auch geistige Bedeutungen.

In den ausgestellten Werken erscheinen beispielsweise:

  • Pfingstrosen mit ihrer prachtvollen Schönheit,
  • Lotusblumen mit ihrer ruhigen Eleganz,
  • kleine Vögel voller Lebendigkeit.

Durch viele feine Farbschichten entstehen Bilder, die nicht nur die äußere Form zeigen, sondern die besondere Atmosphäre eines Moments einfangen.

Der Gedanke hinter der Ausstellung lässt sich zusammenfassen:

In die Berge gehen, die natürliche Schönheit entdecken und dabei zur inneren Ruhe finden.


Gongbi-Malerei: Wenn kleinste Details eine Geschichte erzählen

der chinesische Maler中国画家: Qian Junda钱俊达

Die Gongbi-Malerei gehört zu den ältesten und wichtigsten Formen der chinesischen Malerei.

Im Gegensatz zur freien und spontanen Xieyi-Malerei (写意画), bei der der Ausdruck und die Stimmung im Vordergrund stehen, konzentriert sich Gongbi stärker auf sorgfältige Linien und detaillierte Darstellung.

Doch Gongbi bedeutet nicht einfach eine naturgetreue Kopie.

Chinesische Künstler betrachten Malerei traditionell als eine Verbindung zwischen äußerer Erscheinung und innerer Bedeutung.

Eine Blume ist nicht nur eine Blume.

Ein Vogel ist nicht nur ein Vogel.

Sie können Vorstellungen von Schönheit, Harmonie, Reinheit oder Lebensenergie ausdrücken.

Gerade diese Verbindung zwischen Natur und menschlicher Wahrnehmung macht den besonderen Reiz der chinesischen Blumen- und Vogelmalerei aus.


Kalligrafie und Malerei: Die Einheit von Linie und Ausdruck

der chinesische Maler中国画家: Qian Junda钱俊达

Ein besonderer Teil der Ausstellung ist die Verbindung von Malerei und Kalligrafie.

In der chinesischen Kunst gehören Bild, Schrift, Gedicht und Siegel traditionell zusammen.

Ein chinesisches Gemälde zeigt daher häufig nicht nur eine Landschaft oder ein Motiv, sondern enthält auch:

  • kalligrafische Inschriften,
  • poetische Texte,
  • rote Siegel des Künstlers.

Die Linie spielt dabei eine zentrale Rolle.

Ob beim Schreiben eines Zeichens oder beim Zeichnen eines Zweiges – die Bewegung des Pinsels zeigt die Persönlichkeit und den inneren Zustand des Künstlers.


Tradition bewahren und neue Ausdrucksformen schaffen

der chinesische Maler中国画家: Qian Junda钱俊达

Die chinesische Kunsttradition lebt nicht nur in historischen Werken weiter.

Auch heutige Künstler beschäftigen sich mit der Frage, wie traditionelle Techniken in der modernen Welt weiterentwickelt werden können.

Qian Junda steht für diese Verbindung:

Er respektiert die klassische Maltradition, interpretiert sie jedoch mit seiner eigenen künstlerischen Sprache neu.

Tradition bedeutet daher nicht, die Vergangenheit unverändert zu wiederholen.

Tradition bedeutet, historische Erfahrungen zu verstehen und daraus neue kreative Ausdrucksformen entstehen zu lassen.


Chinesische Kultur entdecken: Von der Sprache zur Kunst

der chinesische Maler中国画家: Qian Junda钱俊达

Eine Sprache besteht nicht nur aus Grammatik und Vokabeln.

Hinter jeder Sprache stehen Geschichte, Kunst, Denkweisen und Lebensformen.

Wer Chinesisch lernt, begegnet deshalb auch Begriffen wie:

花 (huā) – Blume
鸟 (niǎo) – Vogel
山 (shān) – Berg
传统文化 (chuántǒng wénhuà) – traditionelle Kultur

Diese Wörter beschreiben nicht nur Gegenstände, sondern sind eng mit chinesischer Kultur und Ästhetik verbunden.

Bei SinoLingo Chinese Academy verbinden wir Sprachunterricht mit kulturellem Hintergrundwissen.

Unsere Lernenden entdecken nicht nur die chinesische Sprache, sondern auch die Geschichten, Kunstformen und Traditionen, die diese Sprache geprägt haben.


Fazit: Kunst zwischen Bergen, Blumen und Geschichte

der chinesische Maler中国画家: Qian Junda钱俊达

Die Ausstellung „Bergblumen betrachten“ im Linggu-Tempel zeigt, wie lebendig die chinesische Kunsttradition auch heute noch ist.

Zwischen alten Tempelmauern, grünen Bergen und feinen Pinselstrichen entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Eine Blume, ein Vogel, eine Linie mit dem Pinsel – jedes Detail erzählt eine Geschichte über die chinesische Vorstellung von Schönheit, Natur und Harmonie.

Die Ausstellung lädt dazu ein, China nicht nur mit den Augen zu betrachten, sondern mit einem tieferen Verständnis für seine Kultur zu erleben.

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